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19. Dezember 2011

Bangalore / Indien – Hightech-Valley oder Dritte Welt?

Kategorie: Indien – 13:02

von Frank Hoffmann

Wir sind unterwegs ins südindische Mysore. Hier sollen uns die Tempelanlagen auf dem heiligen Chamunda Berg und vor allem der gewaltige Palast von Shrikanthdatta Narsimharaja  Wodeyar – des Maharajas des Thrones von Mysore erwarten. Hinter uns liegt eine Tour durch Tamil Nadu und Kerala – die süd­indischen Bundesstaaten wo der Pfeffer wächst.

Noch vor 3 Tagen waren wir mit dem Boot auf dem Periar-See und beobachteten in den grünen Uferzonen Sambarhirsche, Gaur-Büffel, freche Affenhorden und wilde Elefan­ten bei der abendlichen Tränke. Jetzt jedoch landen wir aus Cochin kommend mit einer kleinen Turboprobmaschine auf dem Flugplatz von Bangalore.

Die Hauptstadt des indischen Budesstaates Karnataka mit über 3 Millionen Einwohnern hat viele Namen: Dank des hervorragenden Klimas und wegen ihrer vielen Bäume im Stadtbild und zahlreichen Parkanlagen nennt sie sich gern die „Gartenstadt“. Aber man nennt sie auch „Paradies der Pensionäre“ oder die „Stadt mit Klimaanlage“. Bei uns in Europa kennt man sie heute – wenn überhaupt – als „Indiens Kybernetik City“.

Bangalore entwickelte sich in den letzten Jahren von einer verschlafenen Stadt mit einem geruhsamen Lebenswandel zum „Silikon-Valley Indiens“. Außer einheimischen Gi­ganten der Informationsindustrie sind hier auch multinationale Großkonzerne wie Motorola, AT&T, IBM, Siemens, Texas Instruments und viele andere angesiedelt. Insgesamt haben fast 100 der wichtigsten Software­Firmen ihren Sitz in Bangalore genommen. Die Stadt leistet heute einen wesentlichen Bei­trag zu den Software-Exporteinnahmen des Subkontinents von allein über 1200 Millionen Dollar.

In dieser Metropole, die sich sehr schnell ihrem neuen Image angepasst hat, gibt es heute moderne Annehmlichkeiten von Ein­kaufszentren über Sporteinrichtungen bis zu Luxushotels.

Sein schnelles Wachstum und der Übergang vom unterentwickelten Marktflecken zur Hightech-Metropole Asiens verdankt Bangalore einer Gruppe junger Technokraten, die in den achtziger Jahren hier ein erstes Unter­nehmen für Informationstechnologie gründeten.

Die heutige Software-Industrie am Ort benötigt einen ständigen Nachschub an ausgebil­deten jungen Kräften. Deshalb gibt es in Bangalore mehr Forschungs- und Bildungseinrichtungen als anderswo. Im Bundesstaat Karnaka bildet man jährlich über 10tausend Ingenieure aus, davon ca. 6000 für den Bereich der Informationstechnologie.

Damit der Nachschub an Arbeitskräften sicher­gestellt ist, wurde es für alle Colleges dieses Bundesstaates zur Pflicht, dreimonatige Kurse auf dem Gebiet der Informationstechniken anzubieten.

Außer dem bereits in Bangalore existierenden Software-Technology-Park sollen in drei weiteren Städten Karnakas, und zwar in Mysore, Mangalore und Dharwad drei weitere Parks fertiggestellt werden.

Mittels der sogenannten „Greencard-Initia­tive“ der deutschen Bundesregierung werden tausende der top ausgebildeten jungen Inder dem deutschen Softwaremarkt unter die Arme greifen.

Aber an diese hochtechnischen Themen denken wir bei unserer Fahrt durch die quirlige Hauptstadt Karnatakas nicht – wie sollen wir auch.

Sehen wir doch hier in der Innenstadt ein ganz anderes Bild vor uns. Bettler, halbnackte Kinder, klapprige von heiligen Kühen gezogene Wägelchen, ein unüberhörbares Hupkon­zert aus tausenden stinkender, qualmen­der und rostigen Automobilen. Am Straßenrand ein Fakir mit seinen Schlangen, traumhaft schönen Frauen in Seidensaris und ganze Familien, die in Pappkartons auf dem Geh­steig leben.

So dicht beieinander liegen hier zwei Welten. Dritte Welt oder Hightec-Valley – wir Touristen können die Frage nicht beantworten.

www.fotoundreisen.de

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