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9. Juli 2008

Deutschland Reisebericht: Spreewald Teil 1

Kategorie: Deutschland – 19:29

Der Spreewald liegt im Land Brandenburg. Diese einmalige, sehr reizvolle Landschaft wurde 1990 zum Biosphärenreservat erklärt und erhielt 1991 die Anerkennung der UNESCO.  Der Spreewald ist ca. 475 km² groß, hat 37 Dörfer und 2 Städte. Die typischen Fließe haben eine Gesamtlänge von etwa 1.550 km. Die Region Burg – unser Reiseziel  – liegt im Oberspreewald, der sich als Streusiedlung zwischen Wiesen, Fließen, Äckern und Gehölzgruppen erstreckt.

Am 15. Mai 2008 früh begann unsere Fahrt von Leipzig, fast ausschließlich auf der Landstraße (B87), nur ein kurzes Stück mussten wir die A13 und A15 nutzen. Die Abfahrt Vetschau/Burg führte uns zu unserer Unterkunft in Burg-Kolonie. Wir kamen 10.30 Uhr in der gebuchten Ferienwohnung an. Der Hof, auf dem wir untergebracht waren lag sehr idyllisch im Wald. Die Hofhündin, ein schwarzer Schäferhund mit treuem Blick empfing uns fröhlich und aufgeregt. Wir fühlten uns gleich entspannt und Urlaubsstimmung kam auf. Unser Wirt übergab uns mit der Ferienwohnung auch eine Spreewald-Gästecard, auf die wir in den kommenden Tagen für einzelne Sehenswürdigkeiten Ermäßigung erhalten könnten.

Unser erster Ausflug am Ankunftstag führte uns in eine Erlebnisgaststätte „Spreewaldbahnhof“ in Burg-Dorf, die uns bereits mehrfach von Freunden und Bekannten ans Herz gelegt wurde. Auf dem Gelände dieser Gaststätte konnten wir originale Waggons verschiedener Arten, z.T. als Ausstellung eingerichtet, besichtigen. In der Gaststätte bot man Erlebnisgastronomie der besonderen Art an, eine Miniatureisenbahn nahm die Bestellung auf, brachte Getränke an den Tisch. Die Anforderung konnten wir jeweils von unserem Tisch aus durch Knopfdruck selbst geben. Die Gaststätte ist urig ausgestattet. Es sind alte Miniatureisenbahnen zu besichtigen. Es sind zudem überall alte Reklameschilder, alte Automaten und anderes Antikes ausgestellt. Natürlich ist diese Gaststätte auch für die Qualität des Essens empfehlenswert, uns hat besonders das regionale Schwarzbier „Kircher“ geschmeckt. Preis und Leistung insgesamt stehen in sehr gutem Verhältnis. Allerdings sollte man für den Gaststättenbesuch besser vorher seinen Tisch bestellen.

Gut gesättigt sahen wir uns weiter in Burg-Dorf um. Das kleine Zentrum ist besonders reizend durch seinen kleinen Spreehafen. Neben Kahnfahrten kann man hier auch Paddeltouren machen (im gesamten Spreewald sind Kahnfahrten und Paddelbootausleihe möglich).

Für den zweiten Urlaubstag hatten wir uns vorgenommen, eine der zahlreich angebotenen Kahnfahrten zu unternehmen. Wir wählten auf Empfehlung unseres Wirtes eine 5-stündige Hochwaldfahrt mit einem Kahn ab dem Hafen „Waldschlösschen“, der direkt am Naturschutzgebiet liegt. Es mag so klingen, als wäre 5 Stunden eine lange Zeit, aber sie verging wie im Flug. Auf dem Kahn saßen wir bequem auf Bänken mit Wolldecken versehen. Sogar Tischchen waren für uns liebevoll mit Tischschmuck vorbereitet. Auch konnten an Bord Getränke verzehrt werden. Unser Fährmann hieß Klaus und war ein alter Fährmann mit vielen Erlebnissen rund um den Spreewald.

So erfuhren wir während der Fahrt eine Menge über die Entstehung und Bewirtschaftung der Fließe, wir sahen einen beeindruckenden Hochwald mit riesigen Bäumen. Der Hochwald (überwiegend Erlen) des Spreewaldes wird naturbelassen, auch umgestürzte Bäume werden nicht beräumt, so ist dort eine artenreiche, ungestörte ca. 6.000 Tier- und Pflanzenarten zu sehen. Von den 1.600 vorgefundenen Pflanzenarten sind 585 in den Roten Listen der bestandsgefährdeten Pflanzen aufgeführt. Beeindruckend sind auch die Zahlen der nachgewiesenen Tierarten (830 verschiedene Schmetterlinge, 113 Muscheln/Schnecken, 48 Libellen, 36 Fische, 47 Säugetiere, 217 Brandenburger Brutvogelarten).

Etwa zur Mitte der Kahnfahrt war ein Halt im Spreewald-Gasthaus Pohlenzschänke vorgesehen. Dort aßen wir zu Mittag. Das Angebot war zwar nicht so reichhaltig, aber das Essen war sehr preiswert.

Ein großes Glück war, als wir ein Nutria direkt am Kahn vorbeischwimmen sahen. Besonders interessant während unserer Fahrt war auch, dass wir 3 Schleusen durchfahren mussten. Diese Schleusen wurden vom Fährmann selbst geöffnet/geschlossen. An unserer letzten Schleuse warteten einige Jugendliche, die für uns das Schleusen übernahmen. Tradition ist dabei, dass vorm Öffnen und nach dem Schließen ein Reim aufgesagt wird. Eine Legende besagt, dass wem Spreewasser beim Schleusen auf den Kopf tropft, der wird hundert Jahre alt. Als Dank für das Schleusen sammelte unsere Kahnbesatzung ein paar Cent und übergaben es im Weidenkörbchen an die Jugendlichen. Unser Fährmann erheiterte uns zwischendurch auch immer mit lustigen Episoden, so z.B. würde Kurtaxe fällig werden, wenn ein Gast über Bord geht, da das Bad in der Spree einer Moorpackung gleichkommt. [...]

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