[...] Am Nachmittag des 16. Mai 2008 wollten wir nun die als Hauptstadt des Spreewaldes geltende Lübbenau besuchen. Wir fuhren ab Burg-Kolonie über Stradow, Radusch (dort ist eine sehenswerte Slawenburg zu besichtigen) nach Lübbenau. Lübbenau ist eine kleine Stadt mit einem hübschen Marktplatz und einem schönen großen Schloss (jetzt Hotel). Daneben besichtigten wir eine Orangerie. Der dazugehörige kleine Park mit z.Zt. voll blühenden Rhodedendren führte uns direkt bis zum Hafen. Hier konnten wir sehr viele Kähne liegen sehen.
Lehde ist ein bekannter historischer Stadtteil von Lübbenau. Touristisch attraktiv ist Lehde vor allem wegen seiner Museen (Freilicht- und Gurkenmuseum). Leider war das Freilichtmuseum schon geschlossen, als wir kurz nach 18.00 Uhr eintrafen. Aber der Stadtteil ist auch sonst sehr reizvoll und typisch im Spreewaldstil anzusehen. Wie konnte es anders sein, waren wir natürlich besonders interessiert an den typischen Spreewaldgurken, welche wohl die echten Spreewaldgurken sind. Im Gurkenmuseum hatten wir die Gelegenheit an einer Verkostung von mehreren Gurken- und auch Senfsorten teilzunehmen. Am Ende schmeckten uns die Spreewälder Königsgurken als Senf- und Knoblauchgurken am besten und wir kauften jeweils 1 Eimerchen (je 1000 g) ein.
Die Rückfahrt zu unserem Quartier in Burg-Kolonie führte uns über Vetschau und Naundorf.
Der Spreewald ist auch ideal für ausgiebige Fahrradtouren. Hier gibt es mehrere Angebote, die in Tourismusführern vorgeschlagen wurden.
Wir entschieden uns für die 30-km-Tour zum Storchendorf Dissen. Sehr gut ausgeschilderte und ausgebaute Radwanderwege führten uns in die Dörfer Müschen, Werben, Guhrow, Briesen, Striesow nach Dissen und zurück über Striesow, Fehrow und Schmogrow nach Burg-Dorf.
In den einzelnen Dörfern waren besonders auffällig die Kirchen: In Werben standen wir vor einer verschlossenen Kirche, in spätgotischem Backsteinstil. Leider erfuhren wir erst später, dass es in der Gegend so üblich ist, beim nahe liegenden Pfarramt zu klingeln, wenn man eine Kirche besichtigen wolle.
Die einschiffige Backsteinkirche in Briesen konnten wir uns durch einen glücklichen Umstand ansehen, da gerade als wir dort standen eine kleine Reisegruppe ankam, die eine Führung vereinbart hatten. Die Reisegruppe (eine kleine Interessengruppe der Kirche) bot uns an, uns der Führung anzuschließen. Die Kirche in Briesen ist wirklich sehenswert mit relativ gut erhaltenen spätgotischen Fresken (15.Jh.) und einem Altar aus Holz, reich verziert. Die Pfarrerin von Briesen zeigte uns mit Begeisterung ihre Kirche und wir sangen zum Abschluss gemeinsam aus dem Gesangbuch ein Lied. Auch wenn wir nicht kirchlich sind, war es für uns dennoch beeindruckend und herzerwärmend.
Ein Mann der Kirchengruppe – ein ehemaliger Pfarrer – lud uns ein, am Nachmittag in Schmogrow auch seine Kirche anzusehen, da uns doch unsere Fahrradtour dort vorbeiführen würde. Es war eine sehr nette Einladung.
Unsere Route führte uns nun aber erst weiter in das Storchendorf Dissen. Seit dem 8.Jahrhundert ist die slawische Besiedlung hier nachweisbar. Hier wartete wieder eine sehenswerte Fachwerkkirche auf uns, die direkt neben dem Heimatmuseum (ehemalige Dorfschule) stand. Diese Kirche wurde nach einem Brand 1772 erbaut. In der Kirche wurde gerade eine polnische Gruppe geführt, der wir uns hätten ebenfalls anschließen können. Die Kirche von Dissen ist besonders bekannt, weil man dort Beschriftungen (Sprüche) immer zweisprachig lesen kann, wendisch und deutsch. Bei der Suche nach den in den Prospekten zahlreich „versprochenen“ Störchen, waren wir etwas enttäuscht. Nur sehr vereinzelt sahen wir Horste, in denen Störche zu beobachten waren. Hin und wieder sahen wir nur ein paar Störche in der Luft fliegend kreisen.
Kurz vor Schmogrow trafen wir unsere Kirchenreisegruppe wieder, die wir in der Kirche in Briesen kennen lernten. Der Pfarrer von Schmogrow war stolz, uns nun auch seine kleine Kirche zu zeigen. Sehr interessant war die schlichte, einfache Bauweise. Es war in Zeiten der DDR nicht gestattet dort eine Kirche zu bauen. So baute die Familie des Pfarrers (er selbst war damals etwa 11 Jahre alt) einen Saal für die Kirchengemeinde mit einem kleinen Glockenturm versehen. Jeder Handwerker, jede Familie des Dorfes half mit (der Tischler gab Holz, der Glaser Glas, etc.). Jeder half mit. Die Steine der Kirche wurden mühevoll einzeln gegossen und verbaut. Der Vortrag des Pfarrers war sehr beeindruckend. Wieder wurden einige Kirchenlieder gemeinsam gesungen. Dann mussten wir uns leider verabschieden, da uns unsere Fahrradtour noch zu einer weiteren Sehenswürdigkeit führen sollte.
Auf der letzten Etappe der Fahrradtour lag der 29 Meter hohe Bismarckturm. Der Bismarckturm wurde auf dem Schlossberg errichtet. Am Schlossberg lag eine vor- und frühgeschichtliche Siedlungsstätte. Die eiszeitliche Burganlage Schlossberg stellt die größte und bedeutendste Befestigung der Lausitzer Kultur dar. Der Turm wurde 1915-1917 erbaut, zu Ehren des 1.deutschen Reichskanzlers, Otto von Bismarck. Nachdem wir uns in einer nahe liegenden Gaststätte gestärkt hatten, bestiegen wir den Bismarckturm mit seinen 137 Stufen bis zur höchsten Aussichtsplattform. Bei besserer Sicht hätten wir verschiedene Kirchen und auch das Badeparadies „Tropical Island“ sehen können.
Zurück in Burg-Dorf erlebten wir ein Folkloreprogramm. Es wurden die Trachten des Spreewaldes zu einzelnen Ereignissen (Hochzeit, Konfirmation etc.) vorgestellt. Leider zog sich der Himmel ganz plötzlich zu und ein Gewitter beendete das Programm und wir flüchteten uns in die nahe gelegene „Radlerscheune“. Die Radlerscheune ist in Burg-Dorf eine sehr beliebte und gut besuchte Radlergaststätte. Neben der Gastronomie kann man dort eine Herberge finden und Räder aller Art (auch Tandem und Fahrrad für 4 Personen) ausleihen. Wir genossen Eis und Kaffee und fuhren nach Ende des Regens mit unseren Fahrrädern in unsere Unterkunft. Wir waren sehr zufrieden, denn es war ein schöner, gelungener Spreewaldtag.
Am Sonntag früh wollte uns das Wetter wohl den Abschied nicht so schwer machen, dicke Wolken hingen am Himmel und es sah nach Regen aus. Also – auf Wiedersehen im Spreewald!
Dieser Reisebericht wurde von Anke K. eingeschickt – Vielen Dank!

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