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23. Mai 2011

Segeltörn von Rhodos nach Fethiye

Kategorie: Griechenland, Türkei – 16:32

Unter Segel…

Segeltörns und junge Menschen mit überschaubaren finanziellen Möglichkeiten verbindet man nicht sofort miteinander. Ein Törnanbieter aus Heidelberg hat sich auf das Segeln mit jungen Leuten spezialisiert. Er macht Törns in Kroatien, Kuba, Griechenland, in der Türkei und in der Karibik. So kitschig es auch klingt, so verbraucht, wie der Ausdruck auch ist: Teilnehmern vermittelt er das Gefühl der Freiheit, zeigt ihnen, wie wenig man braucht, um Glücklich zu sein, hilft die Batterien wieder aufzuladen – und ist dabei trotzdem keine Hippie-Truppe. Der Autor hat es ausprobiert…

Rhodos-City ist wahrscheinlich nicht der Grund, warum man einen Segeltörn bucht. Die Saison ist fast gelaufen und an der Laune der Kiosk- und Restaurantbesitzer merkt man ihnen den langen Sommer an, den sie hinter sich haben. Auch sie sind irgendwie urlaubsreif. In der Altstadt bekommen wir auch nicht mehr, als in den Straßen anderer Urlaubsorte. Angetrunkene Cristiano Ronaldo Wannabes und laut aufgedrehter Eurodance bestimmen das Bild in der sonst so sehenswerten Altstadt. Gut zu wissen, dass die Woche, die vor mir liegt nicht hier stattfinden wird. Der Grund warum es nach Rhodos-City ging, liegt in der Marina der Stadt und heißt Cronos. Eine Oceanstar 51,2 unter der Flagge des Törnveranstalter Join-The-Crew. Mit ihr im Hafen liegen noch die beiden anderen Yachten, die zur Flotte gehören.

Einen Tag nach der Anreise geht es los: Proviant wurde eingekauft, die Knoten mit der Crew durchgegangen und das Schiff erklärt. Beim Frühstück besprechen wir die grobe Route. Alles was wir wissen, ist, dass die Cronos in einer Woche in Fethiye einlaufen soll. Dort wird die nächste Crew auf uns warten. Den Rest der Tour wollen wir, außer einem Zwischenstopp in Marmaris spontan entscheiden. Unter den Mitgliedern der Crew ist niemand über 35. Kein Zufall. Join-The-Crew macht Törns für junge Leute. Die Preise hält man tief und die Kommunikation ist locker. 349 Euro kostet ein einwöchiger Trip. Dominik, Skipper und Geschäftsführer von Join-The-Crew in einer Person, legt besonderen Wert auf die Kommunikation untereinander. Gut, dass die Interessen der Teilnehmer des Törns doch alle recht ähnlich sind. Sie wollen Segeln, Spaß und viel erleben. Konfliktpotenzial ist kaum vorhanden. „Leute, die keine Lust auf etwas Party haben, melden sich bei uns auch gar nicht an“, sagt Dominik.

Vor dem Ablegen stehen noch kleine Reparaturen an, während die Crew Wein, Nudeln und den anderen Proviant für die Woche in den Bordkisten verstaut. Die achtköpfige Crew hat auf den 16 Metern am Bord der Cronos genug Platz. Für viele ist es der erste längere Törn und ein bisschen Aufregung ist den Gesichtern, außer dem des Skippers, anzumerken. Die Cronos legt ab und verlässt den Hafen von Rhodos-City. Das Wetter ist immer noch ein Traum. Die Sonne scheint, es ist warm und es weht eine leichte Brise, die uns Richtung Golf von Fethiye weht.

Kaum werden die Mauern der Stadt kleiner, wird ein Mann-über-Bord-Manöver geübt, das beim zweiten Versuch auch ansehnlich gelingt. Nicht zu spät will die Crew eine Bucht für die erste Übernachtung erreichen. Alle wollen noch das warme Mittelmeerwasser genießen. Die Bucht ist schnell gefunden. Es ist immer noch heiß, auch am frühen Abend. Der große Teil der Crew geht baden. Zwei Mitglieder bereiten das Abendessen vor. Teambuilding steht an diesem Abend an. Die meisten hatten bis zum Start des Törns nur im Internet Kontakt zueinander. Bis spät in die Nacht dauern Essen und gemütliches Zusammensein. Die meisten von uns schlafen auf Deck.

Der nächste Tag beginnt mit einem Sprung ins Wasser. Dann stellen wir fest, dass die Bordbatterie leer ist. Das Decklicht war die ganze Nacht über an und keiner hat es gemerkt. Noch nicht mal für die Ankerwinde reicht noch der Strom. Wir lassen den Motor laufen und die Batterie lädt sich wieder auf. Heute treffen wir die zwei anderen Boote, die zur Join-The-Crew-Flotte gehören. Mehrere Badespots werden angefahren. Wir schnorcheln, springen von Klippen und erreichen am späten Nachmittag Marmaris – die türkische Antwort auf Rhodos-City, nur lauter! Marmaris, was so viel heißt, wie „vier gehängte Architekten“ hat der Legende nach seinen Namen Sultan Süleyman, dem Prächtigen zu verdanken. Der wollte eine Burg, die so groß ist, dass man sie von Rhodos aus sehen konnte. Heraus kam allerdings eine ziemlich kleine Burg. So klein, dass der Sultan sich ärgerte und dafür seine Architekten dementsprechend zu bestrafen wusste. Von viel alter Architektur ist leider nach einem Erdbeben im Jahr 1958 nicht viel übrig geblieben. Die Burg und die engen Gassen Fuß der Festung sind trotzdem immer noch vorhanden. Die Lage der Stadt, direkt am Wasser zwischen einzelnen Hügeln, ist das schönste an ihr.

Nach einer Nacht zieht es uns wieder in die Natur. Weit weg vom Lärm und Tourist-Specials. Schon zum Frühstück ist es heiß in der Marina von Marmaris. Eine türkische Rasur nehme ich kurz vorm Ablegen noch mit. Heute steht in erster Linie Baden auf der, beim Frühstück angelegten, Tagesordnung. Einen Tag mit weniger Segeln ist drin. Wir nehmen uns eine Bucht am Mittag und eine am Abend vor. In der Zweiten werden wir auch über Nacht ankern. Die Bucht von Ekincik ist tief eingeschnitten. Das Ufer ist dicht mit Bäumen bewachsen. Mit den anderen Booten unserer Flotte liegen wir im „Päckchen“ – die Boote sind zu einer großen Insel aneinander befestigt. Abends veranstalten wir eine Dinner-Party in unserem Cockpit. Geschlafen wird wieder draußen.

Der leichte Kater am nächsten Morgen wird mit einem Sprung ins Mittelmeer bekämpft. Vormittags steht, für die die wollen, eine Tour zu den lykischen Felsengräbern von Dalyan und Riesenschildkrötengucken auf dem Programm. Alles zusammen für 17,50 Euro. Dafür holt uns das Ausflugsboot direkt von unserem Liegeplatz ab. Wir bekommen tatsächlich Riesenschildkröten zu sehen und fotografieren die Felsengräber, die eindrucksvoll in den Berg gehauen sind. Am Mittag hat der Wind deutlich zugenommen. Wir verlassen die Bucht, in Richtung Kizil Kuyruk Koyu, die Bucht für die nächste Nacht. Das gemütliche Segeln, das wir die Tage vorher erlebten, ist auf dieser Strecke vergessen. Schnell merken wir, dass es an diesem Nachmittag unbequem werden wird. Oder man merkt, dass man super Segelwetter hat. Mit Windstärke 4-5 und immerhin neun Knoten segeln wir zum Etappenziel. Das sportlichere Segeln schlägt dem ein- oder anderem Crew-Mitglied auf dem Magen. Im Dunkeln erreichen wir die Bucht von Kizil Kuyruk Koyu, die eine eindrucksvolle Steinküste bietet und auch Ziel diverser Ausflugsboote ist. Zu einer langen Nacht kommt es heute nicht mehr. Die, denen die Seekrankheit unterwegs erwischt hat, tauschen sich über die Symptome aus.

Die Crew-Hymne „Guten Morgen Sonnenschein“ ertönt beim wach werden auf Deck. Der stärkere Wind von Gestern hat deutlich abgenommen und schon früh ist es wieder heiß an Bord. Ein Teil der Crew entschließt sich zum Landgang. Auf der Halbinsel soll es Ruinen zu besichtigen geben. Das Boot samt Skipper treffen wir auf der anderen Seite der Halbinsel wieder. Zwei Stunden sind wir unterwegs und treffen auf dem Weg, außer ein amerikanisches Pärchen, nur eine Schildkröte. Die Ruin Bay, in der wir wieder an Bord gehen, ist die schönste des Törns. Wir entschließen uns noch einige Stunden mit Schwimmen, Sonnen und Schnorcheln zu verbringen. Später geht es weiter zum nächsten Übernachtungsplatz, zur Sarsela Koyu. Hier kann man erahnen, wie die Bucht in der Hochsaison aussehen würde. Tretboote liegen am Steg und die Strandbar, die viel Sitzplätze bietet, wird gerade nur von einigen Einheimischen besucht. Wieder ankern wir mit den beiden anderen Booten im Päckchen. Zwar ist der Strand der Bucht einladend, doch wir entschließen uns den Abend an Bord zu verbringen.

Das Ziel, des für mich letzten Segeltages heißt Fethiye – Mal wieder eine Stadt. Teile der Crew werden von dort aus am Samstag zum Flughafen von Dalaman fahren. Einige Meilen auf See heißt es für den letzten Tag. Vormittags fahren wir noch einen kleinen Naturhafen an. Noch einmal kommt die Schnorchelausrüstung zum Einsatz und noch einmal werden Fotos von Küste und Meer gemacht. Nach ein paar Stunden machen wir uns auf den Weg. Die breite Bucht, in der Fethiye liegt, taucht früh vor uns auf. Lange segeln wir auf die Stadt zu. Abschiedsstimmung liegt in der Luft. Wir haben leichten Wind von hinten und gemütlich nähern wir uns der Stadt. Die Marina, ist wie die Stadt selbst, noch ein Stück größer, als die in Marmaris. Sollte man den Luxus, wie eine Dusche und Waschbecken im ansprechenden Design, die vergangene Woche an Bord vermisst haben, bekommt man sie in der Marina von Fethiye. Am Abend, nach dem Essen, geht es auf die Partymeile. Bei türkischer Live-Musik und Raki geht der Törn zu Ende.

Morgens geht es mit dem Bus nach Dalaman, von dort über Istanbul zurück nach Deutschland. Erholt, die Batterien aufgeladen und die Cronos vermissend.

Mehr Infos und Bilder zum Törn auf: www.join-the-crew.com

Reisebericht von Erik R.

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