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11. Oktober 2010

Trekkingtour durch Marokko

Kategorie: Marokko – 14:07

In diesem Jahr sollte es für meine Kinder, Vanessa (13) und Sebastian (10), einmal eine etwas andere Ferientour geben. Geplant war eine Reise quer durch Marokko. So flogen wir von Frankfurt am Main nach Casablanca, der mit 2,55 Millionen Einwohnern größten Stadt des nordafrikanischen Königreichs. Im Zug vom Flughafen ins Zentrum ließen auch die ersten Eindrücke nicht lange auf sich warten.

Die allgegenwärtige Armut der Bevölkerung war unübersehbar, aber genau diese Menschen begegneten uns stets freundlich und hilfsbereit, oft neugierig und wissbegierig. Wir trafen auf ein Volk, gemischt aus vielen Kulturen, weltoffen und sehr gebildet.

Für die ersten 3 Nächte suchten wir uns ein Hotel in zentraler Lage. Richteten uns ein und erkundeten die nähere Umgebung. Unser erstes Ziel war die Moschee Hassan II, die über den weltweit größten Gebetsraum verfügt und direkt auf den Klippen, teilweise über dem Wasser des Atlantiks errichtet wurde. Dies hat religiöse Gründe. Im Koran steht geschrieben, Allahs Thron ist über dem Wasser. So befindet sich der Bereich des marokkanischen Königs, der einen großen Teil der Bausumme privat finanziert hat, auch genau in diesem Teil der Moschee.

Im Anschluss an die Besichtigung suchten wir uns ein kleines Restaurant. Neben landestypischen Speisen wie Couscous, ein Gemisch aus Reis, Gemüse und Fleisch, oder Tanjine – wo die verschiedenen Zutaten zusammen in einem geschlossenen Tongefäß geschmort werden, gab es auch verschiedene Omelette oder Sandwiches.
Den Rest des Tages verbrachten wir in den erfrischenden Fluten des Ozeans.

Der folgende Tag gehörte der Medina, der zentralen, mit einer Mauer geschützten Altstadt. Hier spielt sich das traditionelle Leben der Einheimischen ab. Überall gibt es Neues zu entdecken, sieht es anders aus und trifft man Menschen die genauso viel über uns lernen wollen, wie wir über Marokko. Hier Freunde zu finden ist nicht schwer, man sucht nicht, es ergibt sich einfach. Ganz egal ob wir beim Essen sitzen, bei einer Erfrischung im Straßencafe Fußball schauen – es war schließlich WM-  oder abends im Park spielen, überall sind ständig einheimische Kinder bei Vanessa und Sebastian. Verständigungsprobleme gibt es kaum, alles ist unkompliziert. Ich selbst werde öfters angesprochen und freundlich gebeten Englisch mit Demjenigen zu „üben“.

Neben allem Sehenswerten und Kulturellen durfte aber auch der Badespaß nicht zu kurz kommen. Diesem kamen wir ausgiebig im Atlantik nach. Der breite flache Sandstrand ist ideal für die Kinder und deutlich weniger überlaufen, als man das sonst kennt. Lustig war, wenn die auslaufende Flut sich bis zu 100 Meter über den Strand schob und Schlafende überraschte oder einsame Badetücher „fraß“. So gab es auch hier nie Langeweile, immer etwas zu lachen und zu entdecken.

Unser nächstes Ziel war die Hauptstadt Marokkos mit nur 800 000 Einwohnern. Den Weg nach Rabat bewältigten wir im pünktlichen und sehr sauberen Zug. Diese Stadt ist mit Casablanca nicht zu vergleichen. Sie wirkt von der Architektur her viel älter und traditioneller. Uns zog es als erstes wieder in die Altstadt, die Medina. Zahllose ansässige und fliegende Händler prägen ein buntes Gewimmel. Am Rande des Marktes bieten Handwerker, wie Maler und Klempner ihre Dienste an. Werben am Straßenrand mit aufgestellten Utensilien und hoffen auf einen Auftrag.

Eine der Sehenswürdigkeiten in Rabat ist die Sankt Peter Kathedrale, hier wird der christliche Glaube gepflegt. Auch dies ist ein Zeichen für die Weltoffenheit dieses muslimischen Landes.

Nur 30 Gehminuten von hier findet man das Mausoleum. Im, auf einem ehemaligen Tempel, neu errichteten, antik anmutenden Bau, steht der Sarg des ersten marokkanischen Königs, bewacht von der Leibgarde in traditionellen Gewändern.

Besonders interessant für meine abenteuerlustigen Kinder Vanessa und Sebastian war der Ozean. Bei Flut gab es eine unbeschreiblich starke Brandung mit riesigen Wellen. Bei Ebbe konnten die zwei stundenlang im trockengelegten Riff stöbern und fischen. Seeigel, riesige Muscheln und alles was ein Ozean so hervorbringt konnte erforscht werden.

In Erinnerung wird wohl auch das Mittagessen, welches meine Beiden in der Krone eines Drachenbaumes im botanischen Garten zusammen mit einigen marokkanischen Kindern verspeisten, bleiben. Ebenso wie das allabendliche Bummeln und Spielen  unter Palmen in mitten wunderschöner Wasserspiele in Rabats Innenstadt. So wurde uns die Zeit nie lang bis wir mit dem Zug nach Marrakech reisten.

Hier verbrachten wir vorerst nur eine Nacht, bis wir am nächsten Morgen mit dem Leihwagen auf verschlungenen Straßen über das Atlasgebirge in die Sahara reisten. Dieser schmale Pass wird für den Warentranstort nach Süden genutzt. Dabei gilt das Prinzip: Warum sollen 2 LKW fahren, wenn man die Ware auch irgendwie auf einem „verschnüren“ kann. Man kann die unglaublichsten Ladungen bestaunen. Die Ordnungshüter in Deutschland würden sich die Haare raufen. Überhaupt ist das mit der Verkehrsführung in Marokko etwas anders als wir Mitteleuropäer es einmal gelernt haben. Ein klares System ist nicht immer ersichtlich aber irgendwie funktioniert alles reibungslos. Trotz eines anscheinenden Durcheinanders nehmen alle viel Rücksicht auf einander. So sind nahezu keine Unfälle zu verzeichnen.

Inmitten des Niemandslandes, auf über 2 000 Meter Höhe begegneten wir einem PKW mit Panne. Wir hielten und trafen auf drei Einheimische. Da keiner von uns in der Lage war den Wagen zu reparieren bat mich der Fahrer einen kleinen Zettel an seinen Freund zu überbringen.  Auf der Rückseite war eine Skizze als Wegbeschreibung. Ich konnte erkennen, dass besagter Freund gut 100 km entfernt, in der Nähe unseres Weges wohnte. Was aber bedeutete, Hilfe ist frühestens in 5 Stunden zu erwarten. Schneller ist es bei derartigen Gebirgsstraßen nicht möglich. Zeit spielt hier aber nur eine untergeordnete Rolle. Mit der „geheimen“ Botschaft im Gepäck, machten wir uns also auf den Weg. Im nächsten Tal die nächste Überraschung: Ein Anhalter! Wir halten und er bittet uns ihn in die nächste Stadt mitzunehmen. Klar, steig ein, sind ja nur 80 km.
Erstaunlicherweise fanden wir den Freund des Pechvogels ohne Probleme. Der war auch noch verwunderter als wir, als ich, ein fremder Europäer, die Botschaft überbrachte und lud uns drei samt unseres Anhalters zum Tee. Um seinen Freund würde er sich später kümmern, meinte er. Wir waren mal wieder von der Gastfreundlichkeit dieser Menschen überwältigt. Nach etwa einer halben Stunde und einem guten Gespräch fuhren wir weiter und setzten schließlich auch den sich herzlichst bedankenden Mitreisenden in Quarzazate ab. Unser Ziel war eine Oase weiter im Osten.

Den Weg dorthin säumten unzählige Dünen aus Sand, Steinen und Lehm. So weit das Auge reicht nur lebensfeindliche Trockenheit, durchschnitten von einer pfeilgeraden Straße. Bis sich nach langer Zeit am Horizont die ersten grünen Flecken zeigten und sich schließlich als riesige grüne Oase öffnete. Ein unglaublicher Anblick und eine Wohltat für die Seele. Wir befanden uns in einer Dattelplantage, auch Obst für den eigenen Bedarf bauen die Bewohner hier an.

Untergebracht waren wir in einer Kasba, einem mehrere hundert Jahre alten, aber liebevoll hergerichteten Lehmbau. Von einer jungen Frau, die das Haus als Familienoberhaupt (trotz der Männer im Haushalt) führt, werden wir herzlich aufgenommen und umsorgt wie Familienmitglieder. Stolz bekommen wir das gesamte Anwesen gezeigt und nehmen wie selbstverständlich am gemeinsamen Familienessen teil.

Die Nacht war dank der Wüstenhitze und zahllosen Mücken wenig erholsam. Ich wurde jedoch durch einen unbeschreiblich schönen Sonnenaufgang, flankiert von Palmen und den hohen Bergen des Atlasgebirges, mehr als entschädigt.

Nach einem reichhaltigen und schmackhaften Frühstück reisen wir weiter. Es ging zurück über den uns bereits bekannten Pass durch die Berge wieder nach Norden, um abzubiegen in das bekannteste Wintersportgebiet Marokkos. Oukaimeden ist auf 2 600 Metern Höhe wunderbar in einem Hochtal gelegen. Wir werden in einer Berghütte des französischen Alpenvereins übernachten. Sebastian zeigt noch immer keine Ermüdungserscheinung, während sich seine Schwester im Schatten ausruht. Ihn zieht es, mit mir im Schlepptau, auf den gegenüberliegenden Hügel. Er will Steine suche, Tiere beobachten und überhaupt alles Tolle und Interessante erkunden.

Abends bekommen wir ein tolles und schmackhaftes Menü und wir schlafen zufrieden in die für Berghütten typischen Etagenbetten.

Am nächsten Morgen gibt es einen Höhepunkt im wörtlichen Sinne. Nach dem Frühstück besteigen wir einen nahen namenlosen Gipfel. Der Weg führt uns durch blumenübersäte Bergwiesen, vorbei an leerstehenden Wohnhäusern und Stallungen, die zum Überwintern der Herden dienen. Zur Freude der Kinder überraschen wir einige Streifenhörnchen beim Sonnenbad auf den Feldern. Am Ende unserer Tour wartet der Gipfel mit seinen felsigen, aber leicht zu erkletternden Block auf uns. Wir werden mit einem grandiosen Blick belohnt und die Kinder staunen über den auf den benachbarten Gipfeln liegenden Schnee. Schließlich sind wir ja in Afrika!

Wir genießen traditionsgemäß unser Mittagessen bei herrlichem Sonnenschein auf dem Gipfel und bewältigen anschließend den Abstieg ohne Probleme. So machen wir uns später mit dem Auto auf den Weg zurück nach Marrakech über zahllose enge Kurven mit einem atemberaubenden Blick in tiefe Schluchten und an steilen Berghängen „geklebten“ Siedlungen die irgendwie an Schwalbennester erinnern. Fast im Tal angekommen hallten wir noch in einer winzigen Wirtschaft auf einen kleinen Imbiss. Wie immer werden wir wie Freunde empfangen. Man bewirtet uns im gemütlichen Obstgarten mit einer ausgesprochen schmackhaften Mahlzeit.

Gut gestärkt machen wir uns auf die letzte Etappe unseres Weges. Die letzten Tage bis zum Heimflug werden wir hier in Marrakech verbringen. Wir checken im Hotel ein, geben den Leihwagen ab und lassen es uns in der Wüstenstadt einfach gut gehen. An den folgenden Tagen besichtigen wir die Sehenswürdigkeiten der Stadt oder faulenzen am erfrischenden Hotelpool.

Marrakech besitzt inmitten seiner riesigen und wunderschönen Altstadt einen etwa 200×200 Meter großen zentralen Markt. Dort gibt es unzählige Schausteller mit Schlangen, Affen, Echsen und vielen anderen Tieren. Auch die traditionellen Henna-Tattoos sind allgegenwärtig und eigentlich ein Muss für Einheimische und Fremde. Richtig erstaunt waren wir über die Prothesenmacher, die an ihren offenen Ständen mit Zähnen um Kunden werben. Unsere Lieblingshändler sind schnell gefunden, die Saftpresser. Allerlei gekühlte Früchte bringen in flüssiger Form zumindest kurzzeitig Erfrischung.

Am letzten Tag gönnen wir uns dann noch eine Kutschfahrt. Wir genießen Medina und auch den neuen Teil der Stadt entspannt und erfahren noch allerlei Wissenswertes über Kultur und Geschichte. Diese Fahrt führt auch über einen Teil der Rennstrecke von Marrakech den wir als „Copiloten“ erleben.

Unsere letzte Nacht verbringen wir auf dem hochmodernen und etwas futuristisch anmutenden Flughafen außerhalb der Stadt. Meine Zwei vertreiben sich die Zeit bis zum Abflug mit der Erfindung einer neuen sportlichen Disziplin, dem Gepäckwagenrennen.

Zurück in Deutschland werden wir auch schlagartig in die Realität zurückgeholt. Bedauerlicherweise müssen wir feststellen, es gibt ja doch noch Hektik und unpünktliche Züge, das einzige Manko an einer tollen und unvergesslichen Tour durch ein wunderschönes Land in Afrika, Marokko.

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